| Markus Schirmer und Danjulo Ishizaka entlocken Beethovens Musik die Magie |
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Am Mittwochabend haben die beiden international renommierten Musiker Markus Schirmer und Danjulo Ishizaka die Stadthalle Bayreuths und Publikumsherzen mit Ihrer Musik erfüllt. Der Pianist Schirmer betrachtet laut seinem Cello-Kollegen Ishizaka Beethoven als eine Art musikalische Bibel: Allein fünf Klavierkonzerte und alle 32 Sonaten befinden sich in seinem Repertoire. Der erste Programmteil repräsentiert den frühen bis späten Beethoven in exemplarisch kontrastreicher Form, indem die Sonaten für Klavier und Violoncello Nr. 1 in F-Dur op. 5/1 und Nr. 5 D-Dur op. 102/2 einander gegenübergestellt werden: Erste komponierte Beethoven im Alter von 26 Jahren, Letzte aus dem Kopf kraft seiner Imagination, da er mit 45 Jahren bereits taub war. Aus dessen mittlerer Schaffensperiode stammen die Sonaten Nr. 3 in A-Dur op. 69 und seine sieben Variationen über Mozarts Zauberflötenthema „bei Männern, welche Liebe fühlen“ von 1801. Schon zu Beginn nimmt Ishizaka sein von der Nippon Music Foundation zur Verfügung gestelltes Stradivari von 1696 liebevoll in den Arm und schließt die Augen, taucht ab in musikalische Sphären. Die Klangvielfalt, die Ishizaka dem Instrument entlockt, ist enorm. Von zitterndem Pianissimo bis hin zu sonorem Forte, von weichem Klangschimmer bis hartem Röhren – sanft bis schneidend entfaltet sich der Klang. Überraschende emotionale Ausbrüche äußern sich in rauem schmutzigem An- und Abstrich zugunsten eines charaktervollen Ausdrucks. Voraussetzung ist eine einwandfreie Technik, die im Hinblick auf Intonation, Dynamik und Beweglichkeit keinen Augenblick Wünsche offen lässt. Dank der Fähigkeit des Cellisten, der bereits mit vier Jahren zu üben begonnen hat, gelingt es ihm das Instrument zum Singen zu bringen. Schirmer steht seinen Kollegen keinen Deut nach. Seine musikwissenschaftlichen und musikpraktischen Kenntnisse vereint er mit seiner totalen Begeisterung für Beethoven, die sich in einem leichten Spiel von eleganter Schlichtheit entfaltet. Störende Akzente treten niemals auf, doch er wartet permanent mit interessanten und ausgefallenen Ungewöhnlichkeiten auf. Schirmer verknüpft das klassische Ideal von schlichter Größe und edler Einfalt mit postmodernem Ideenreichtum. Dass die Technik vollendet ist, erscheint angesichts solcher Superlative selbstverständlich. Beiden gemein ist die exakte rhythmische Abstimmung aufeinander und ein fantastisches Differenzierungsvermögen, das sich nicht allein durch technisches Können und harte Probenarbeit erklärt, sondern Folge einer tief gehenden Leidenschaft ist. Meistens sind Musiker routiniert oder leidenschaftlich, hier verbinden sich beide Gegensätze als sich verschmelzende symbiotische Kontraste. Doch der Zusammenfall der Gegensätze, der nicht allein im Charakter der Werke begründet liegt, ist bei diesem Duo Programm: Witz und Ernst sind gleichzeitig präsent, verbinden sich bisweilen zu einem Humor in der Heiligkeit und wechseln sich ab mit Phasen kontemplativer Ruhe. Lautmalerische Anklänge schaffen Assoziationsräume und eine Programmmusik, die sich ihren Zugang direkt zum individuellen Unbewussten verschafft. Vielleicht ist diese Orientierung am Subjekt der Rezipienten gerade das Geheimnis hinter der Idee von der absoluten Musik. Das Spiel ist so vielschichtig, dass nicht allein eine Geschichte erzählt oder ein musikhistorischer Einblick gewährt wird, sondern in jedem Takt werden Gedanken, Worte und Musik aufs Neue miteinander vermählt. Die Stille nach dem letzten Ton ist eine Wonne, aber zu kurz. Der Applaus erschallt weit zu früh, zerstört die Nachwirkung der Musik. Einige im Publikum haben eben Geschmack, aber kein Taktgefühl. Mit ihrem Aufgehen in der Musik übertreffen beide Musiker die höchsten Erwartungen. Beide gehören klar zur musischen Weltelite. |
| Nordbayerischer Kurier (D), 16.04.2010 |
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| Beethovenabend mit Goldrand |
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Wenn der Steinway eine Sie gewesen wäre, dann wäre am Freitag im Bagno passiert, was die Basler Zeitung neulich prophezeite: Der Flügel hätte den Pianisten vom Fleck weg geheiratet. So samtweich, einfühlsam, leidenschaftlich, feurig und dann wieder unaussprechlich sacht sind die Tasten im Bagno lange nicht mehr gespielt worden wie von Markus Schirmer. Er hatte seinen Musikfreund und Duopartner Danjulo Ishizaka mit nach Steinfurt gebracht, um einen Beethoven-Abend zu geben: mit dreien der fünf Sonaten für Violoncello und Klavier und Variationen über ein Thema aus der „Zauberflöte“. Darunter die kratzige Nummer 102, die auch den Zuhörern viel abverlangt und hören lässt, dass 1815 ein ganz schweres Jahr für Beethoven war, nicht nur, weil er damals schon fast taub war. Aber was für Musiker waren da ins Bagno gekommen: zwei große Meister, bis auf die Millisekunde aufeinander abgestimmt, feinfühlig bis in die Fingerspitzen, technisch ohne Fehl und musikalisch in höchsten Regionen. Ishizaka und Schirmer spielten mit einer unbändigen Kraft und ließen Beethovens ungestümen Geist, seine Wut und Verletzlichkeit mit unglaublicher Wucht durch den Konzertsaal hallen - das war eine Hochzeit zwischen geballter Energie und höchster Ausdruckskraft. Eine kleine Verschnaufpause wurde den Zuhörern mit sieben herrlich verspielten Variationen über ein Thema aus Mozarts „Zauberflöte“ gegönnt. Seinen Goldrand bekam der Abend mit der großen Sonate Nummer 69, die schon zu Beethovens Lebzeiten gepriesen wurde als das „Ungewöhnlichste und Schönste, das je für das Pianoforte geschrieben worden ist“. Hier fühlt man mit, wie aus dem Rheinländer der Wiener wird, wie sich Sturm und Drang in watteweiches, gesangliches Musizieren verwandeln. Wer Ishizaka und Schirmer im Bagno erleben durfte, wird die legendäre Aufnahme von Fournier und Gulda vorerst nicht mehr auflegen. |
| Westfälische Nachrichten (D), 18.04.2010 |
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| Cello und Klavier als ebenbürtige Partner |
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Eine hochkarätige kammermusikalische Veranstaltung war das jüngste Klassikkonzert im Lautlinger Stauffenberg-Schloss. Auf dem Programm standen Werke für Klavier und Violoncello – und zwar ausschließlich von Ludwig van Beethoven. Danjulo Ishizaka, Violoncello, und Markus Schirmer, Klavier, erwiesen sich als ideale Interpreten für diese von Beethoven überhaupt erst ins Leben gerufene Duogattung, die dem Klavier das Cello als ebenbürtigen Partner zur Seite stellt. Danjulo Ishizaka entlockte dem Cello einen ungemeinen Reichtum an Klangfarben, und zwar in allen Lagen bei höchster Phrasierungskunst. Und Markus Schirmer war ihm dabei der ideale Partner, der mit technisch perfekter und differenzierter Spielweise selbstbewusste Akzente setzte. Kurz: Die beiden erwiesen sich als das ideale Paar für eine von Anfang an bis Ende faszinierende Musik. Schon im ersten Stück, der Sonate in F-Dur op. 5, Nr. 1, folgte der langsamen und melodiösen Einleitung eine perfekte Umsetzung von Beethovens musikalischem Einfallsreichtum – mal dramatisch, mal verspielt und immer überzeugend. Besonders im »Rondo – Allegro vivace« beeindruckten die enorme Spielfreude und ein gehöriger Schuss Virtuosität. In der Sonate in D-Dur op. 102, Nr. 2, eröffnete das Klavier zupackend den ersten Satz. Das Cello stimmte melodiös ein und fand zu einem konzentrierten Spiel mit differenziertem Ausdruck. Im Mittelsatz, einem elegischen »Adagio con molto sentimento d‘ affetto« sang es geradezu, einfühlsam begleitet vom Klavier; im Anschluss folgte ein »Allegro fugato«, dessen polyphone Satzkünste die beiden Interpreten großartig meisterten. Die sieben Variationen in Es-Dur über das Thema »Bei Männern, welche Liebe fühlen« aus Mozarts Oper »Die Zauberflöte«, sind eine Folge von kunstvollen kompositorischen Charakterstücken, die Gelegenheit bieten, alle Möglichkeiten des kammermusikalischen Konzertierens voll auszuschöpfen. Sehr konzertant fiel danach die Sonate in A-Dur, op. 69, aus, deren erster Satz effektvoll mit einem Cello-Solo begann – das Duo hielt hier gekonnt die Balance zwischen Virtuosität und Gesanglichkeit. Als zweiter Satz folgte ein keckes »Scherzo – Allegro molto«, ein »Adagio cantabile« und schließlich das »Allegro vivace« mit seinen verspielten Tonleitern und Figuren, das in einen rasanten Schluss mündete. Frenetischer Beifall, und danach noch zwei Zugaben: das Lied »Du bist die Ruh« von Franz Schubert und das urösterreichische »Liebesleid« von Fritz Kreisler. |
| Schwarzwälder Bote (D), 16.04.2010 |
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| Beglückendes Miteinander |
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"Beethoven kann man immer spielen" meinte der deutsch-japanische Cellist Danjulo Ishizaka mit entwaffnender Selbstverständlichkeit am Schluss des 2. Kammerkonzertes, das er mit dem österreichischen Pianisten Markus Schirmer in der sehr gut besuchten Festhalle Viersen bestritten hatte. Doch dann spielte das mit ausdauerndem Beifall bedachte Duo als Zugabe nicht Beethoven, sondern den Mittelsatz aus Schuberts "Arpeggione-Sonate" - und das mit ergreifender Verinnerlichung. Das gesamte Programm des Abends war Ludwig van Beethoven gewidmet - doch von Gleichförmigkeit keine Spur. Nach verheißungsvollem Beginn mit den kapriziösen Variationen über ein Thema aus dem Oratorium "Judas Maccabäus" folgte eine frühe Sonate F-Dur op.17, die urprünglich für Horn und Klavier konzipiert war. Mangels kompetenter Hornsolisten (die damals noch auf dem ventillosen Naturhorn spielen mussten), erstellte der Komponist eine Fassung für Klavier und Cello, wobei der Part des Pianisten - von Markus Schirmer souverän gemeistert - extrem anspruchsvoll ist. Das beschwingte Werk kontrastierten die Gäste mit der späten Sonate C-Dur, op.102,1, die 1815 von ihrem Widmungsträger - dem Cellisten Joseph Linke - und keinem geringeren als dem Komponisten und Pianisten Carl Czerny uraufgeführt wurde. Hier gelang es dem Duo, auch Sprödes und weniger Eingängiges ihrem Auditorium nahe zu bringen. Ein Höchstmaß an Verschmelzung der Interpretationsvorgaben erreichten Schirmer und Ishizaka in der Sonate A-Dur op. 69, von der sie lediglich den ausgedehnten Kopfsatz (in der Frühfassung) vorstellten. Das freie melodische Strömen und die Steigerungen dieses ungemein ausgewogenen, harmonischen Satzes - zeitgleich mit der 5.Sinfonie, also in der mittleren Schaffensperiode entstanden - kamen dem wie miteinander verwoben wirkenden Spiel des hochkarätigen Duos sehr entgegen. Nicht weniger überzeugten die auch technisch höchste Ansprüche stellenden Variationen über "Ein Mädchen oder Weibchen" aus Mozarts "Zauberflöte", bei denen die Künstler sich gekommt in ihrer jeweiligen Führungsrolle abwechselten. Zum Abschluss genossen die Zuhörer die frühe Sonate g-Moll op.5, 2. Hier entfachten die über technische Probleme erhabenen Musiker noch einmal ein mitreißendes kammermusikalisches Feuerwerk. |
| Rheinische Post (D), 24.11.2009 |
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